Ist ein Geburtsvorbereitungskurs eigentlich sinnvoll? – Irgendwie ja, aber irgendwie macht es manchmal auch wenig Sinn und verunsichert einen. Gut, ich muss dazu sagen, dass wohl jeder Geburtsvorbereitungskurs anders ist und ich nur unseren als Maßstab nehmen kann. Mit Sicherheit gibt es Geburtsvorbereitungskurse die anders aufgebaut sind, als der, bei dem wir teilnehmen. Aber da es ja mein Blog ist, schreibe ich natürlich nur über meine Erfahrungen zum Thema Geburtsvorbereitungskurs.

Der Tag ist gekommen. Der Geburtsvorbereitungskurs beginnt!

Wir haben heute unseren ersten Geburtsvorbereitungskurs. An einem Samstag, und irgendwie bin ich genervt, aufgeregt und müde. Ich stelle mir die Frage, was erwartet mich und was für Personen sind anwesend. Es ist einfach ein Sprung in das kalte Wasser. Klar, ist ja auch der erste Geburtsvorbereitungskurs an dem ich teilnehme.

Als wir ankamen saßen schon 3 Pärchen auf den braunen Iso-Matten – wobei das heißt heute ja Yoga-Matten. Kuschelig bequem in die Kissen gelehnt, strahlen sie vor Souveränität. Mit einem Blick der sagen will „Wir sind die neue Elite, sei ein Teil von uns“, schauen sie einen einladend und erwartungsvoll an. Ich blicke in den Raum und denke mir „Oh Fuck nein, was will ich hier. Ich bin keiner von Euch. Nur weil wir fast zum selben Zeitpunkt ein Kind bekommen, bin ich trotzdem nicht wie ihr.“

Meine Verlobte und ich suchten uns einen Platz um uns erst einmal zu akklimatisieren. Noch schüchtern setzten wir uns hin und lehnten uns in die Kissen. Unsere Blicke schweiften durch den Raum. Es roch nach Mandarinen und Duftkerzen. Die Temperatur war angenehm, aber ich wusste, dass es mir irgendwann dann doch zu stickig und zu warm werden würde.

Nun kann los gehen!

Jetzt trudelten nach und nach die weiteren Pärchen des Geburtsvorbereitungskurs ein, die natürlich auch erst mal gemustert werden. „Alle komplett?!“ Ruft die Kursleiterin und Hebamme, fragend und mit rauher Stimme in den Raum. Ein mürrischen „ehhhm joa“ schallte es aus der Gruppe. Woher sollten wir denn auch wissen ob wir komplett sind? „Da wir uns alle noch nicht kennen, schlage ich vor, erst einmal ein Kennenlernspiel zu machen“ – Das ist der Moment den ich am meisten Hasse. Nein ich will die Leute nicht kennenlernen. Ich interessiere mich nicht für sie und es ist mir ehrlich gesagt scheiß egal welche Wünsche sie haben. Genauso möchte ich nicht meine Gedanken jedem Honk anwesenden mitteilen. Aber artig und fügsam wie man als deutscher-Bürger ist, stand ich auf und habe die Prozedur über mich ergehen lassen. Wir warfen einen Ball hin und her, und anstatt einfach zu sagen, wer wir sind, was wir in diesem Geburtsvorbereitungskurs wollen und was wir uns wünschen, mussten wir uns noch zusätzlich merken, was unser Vorgänger alles erzählt hat.

Nach einer kurzen Einleitungs-Phase ging es dann weiter mit der Gruppenarbeit. Frauen zu Frauen, Männer zu Männer. Jetzt wird Geschlechter-Spezifisch getrennt und jede Gruppe musste auf Zetteln schreiben, was sich während der Schwangerschaft bei ihnen verändert hat. Während die Frauen in ihrer Rolle aufgingen, taten wir Männer uns etwas schwer. Ich für meinen Teil habe mich auch eher gedrängt gefühlt und habe alibimäßig einfach mal was in den Raum geworfen. Waren wir doch eine Gruppe voller Klischees die mir eh nicht so zusagen. Um das vortragen des Ergebnis habe ich mich dann erst mal schön mit der „Duck-Und-Weg-Taktik“ gedrückt.

Common let’s twist again!

Geschafft, denke ich, aber da habe ich wohl falsch gedacht. Die Hebamme weiß gekonnt wie sie noch eine Prise Peinlichkeit drauf setzen kann. „Alle aufstehen“ rief sie und rannte zu Ihrer Stereoanlage in dem schon die aktuellste Bravo Hits startbereit zum abspielen lag. „Wir machen jetzt eine Übung, die zur Entspannung des Becken führt“ Das heißt nichts anderes wie, wir machen uns jetzt total zum Affen. Gerade ich als notorischer Nichttänzer. Ich muss mir allerdings ehrlich gesagt auch das Lachen verkneifen. Ist die Kursleiterin doch voll in ihrem Element und fühlt sich in emotional mit einem Top 20 Track aus dem Jahr 2015 verbunden. Beine- und Kopfwackelnd wippt sie hin und her, hält ihre Augen geschlossen und vertieft immer mehr in die Musik. „Noch 2 Minuten“ denke ich und hoffe, dass das Grauen bald vorbei sei.

Nach Beendigung des nervigen Teils, kamen wir nun endlich mal zu den harten Fakten und Infos rund um die Schwangerschaft. Hier muss ich sagen, dass es dann auch endlich mal interessant wurde und wir mit guten Infos versorgt wurden. Z. B. wissen wir jetzt was wir nicht essen dürfen, das die Gebärmutterwand dreischichtig ist und sich das Kind bei der Geburt schraubenartig durchs Becken bewegt. Diese Informationen helfen einem jetzt nicht zwingend im Ernstfall der Geburt, jedoch erhält man gutes Hintergrundwissen, um die Materie zu verstehen. Leider war dies der kürzeste Teil des Geburtsvorbereitungskurs, was ich irgendwie gar nicht verstehen kann. Würde ich doch so gerne einfach mehr Wissen aufsaugen anstatt herum zu kaspern und mir doofe Namen zu merken. Man sieht es auch irgendwie am Text, dass ich 3/4 nur von banalen Sachen schreibe, die passiert sind.

Was habe ich aus diesem Geburtsvorbereitungskurs mitgenommen?

Ehrlich gesagt nur eine Hand voll wichtiger Informationen, die ich vielleicht aus einem klassischen Vortrag oder Seminar auch erhalten könnte. Vielleicht würde ich die Infos auch im Netz finden, jedoch weiß man da ja nie ob die Quellen jetzt stimmen oder nicht. Des weiteren nervt mich am Geburtsvorbereitungskurs diese Zeitverschwendung mit Kennenlernspiele und Mitmachaktionen. Ich will keine neuen Freunde finden, für die ich eh zu wenig Zeit habe und ich mag auch dieses Getue nicht. Naja ich bin dann mal gespannt wie es weiter geht. Fortsetzung Folgt!